Reviews: Sabine Gruber

Deutsch Sabine Gruber: DIE ZUMUTUNG. Roman. Verlag C.H.Beck, München 2003.

Gruber Cover

Ebenso unprätentiös wie gekonnt verfährt Sabine Gruber im vorliegenden Roman. Die Zeiten werden gewechselt, die Perspektiven; Personen mit ihren Lebensinszenierungen kommen vor, und doch und dennoch zieht sich ein thematischer Faden wie ein dickes Seil durch das Buch. Wir können ihn nicht abschütteln.

Neben Interaktionen, Beziehungen, etwa zwischen der Ich-Erzählerin und Männern wie Paul, Leo oder Beppe, artikuliert sich gleichsam vehement und unausgesetzt laut die Auseinandersetzung zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem Körper. Er ruft sich in Erinnerung, setzt Zeichen, wird unüberseh- und hörbar. Was einem gesunden Menschen selbstverständliches Vehikel, wird für die Ich-Erzählerin Hürde und Widerstand.

Auf subtile und zugleich beinahe haptische Art flicht die Autorin dieses Thema ein, lässt es unumgänglich werden; die körperliche Befindlichkeit wird nachempfindbar, spürbar; aber niemals aus einem Gestus des Selbstmitleids heraus. Im Gegenteil. Es ist, als ob das körperliche Geschehen zunächst erfahren und sogleich aber durch die Sprache auf Distanz gebracht wird.

Was Gruber auch noch gelingt, ist eine Spannung aufrechtzuerhalten. Eine Spannung, die sich aus dem raffinierten Gestus des Aufbaus des Romans ergibt und ihn dennoch bis zum Ende als sensibles Unterfangen belässt.

Reviewed by Petra Ganglbauer, 20 May 2003

Deutsch Sabine Gruber: Stillbach oder die Sehnsucht. Roman. Verlag C.H.Beck, München 2011.

Gruber Cover Stillbach

Sabine Grubers neuer Roman erzielt seine besondere Qualität aus dem Zusammenwirken von Geschichtsaufarbeitung, historischem Bewusstsein und einer besonderen Atmosphäre – die vor allem dann wirksam wird, wenn die Autorin akribische Naturschilderungen einsetzt, um innerseelische Prozesse zu spiegeln.

Dazwischen werden historische und persönliche Ereignisse situativ, topografisch oder aber auch erinnernd festgehalten. Besonders erwähnenswert sind die aufgeladenen Bewusstseinswiedergaben. Sie muten bisweilen synästhetisch an.
Der Roman lässt auch zu, das sich die Zeiten miteinander verschränken, Gegenwart und Vergangenheit miteinander da und dort (wie) verschmelzen.

Dicht erzählt die Autorin über die Geschichte Südtirols, die Resistenza und den deutsch-italienischen Faschismus.
Die Romansequenzen werden ergänzt durch ein ausführliches Glossar, das auch jenen Leser/inne/n dienlich ist, die mit den angesprochenen Kapiteln der Geschichte und deren Protagonisten nicht so vertraut sind.

Es geht aber auch um Liebe, Enttäuschung, Unterdrückung in einem ganz persönlichen Rahmen: Stillbach, ein fiktionales Dorf in Tirol fungiert dabei als Ausgangsort. Emma geht 1938 nach Rom, um als Zimmermädchen in einem Hotel zu arbeiten; sie heiratet schließlich dort ein. Ines, ebenfalls  aus Stillbach, die 1978 in demselben Hotel in den Ferien jobt, schreibt Jahre später deren Geschichte nieder. Parallel oder auch immanent wird auch das politische Geschehen in Rom 1944 und 1978 aus der Sicht Emmas und Ines' aufgezeigt.
Clara, auch aus Stillbach und nach dem Tod von Ines nach Rom gereist, um deren Nachlass zu ordnen, findet dieses Manuskript, welches im übrigen einen wesentlichen Teil in Sabine Grubers Roman ausmacht; also eine Geschichte in der Geschichte ist.

Ein empfehlenswertes Buch!

Reviewed by Petra Ganglbauer, 27 September 2011

 


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